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Florian Engels Pressesprecher
www.masf.brandenburg.de
Günter Baaske
Wolfgang Schroeder
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20 Jahre gute Pflege | 165/2010
Die Lebenssituation für pflegebedürftige Menschen hat sich in den vergangenen 20 Jahren in Brandenburg deutlich verbessert. Auf einer Pressefahrt zu Pflegeeinrichtungen zog Sozialminister Günter Baaske heute Bilanz zur Entwicklung der Pflege seit 1990: „Vieles hat sich durch neue Einrichtungen und gute Betreuung sehr positiv verändert. Für die ambulante Pflege gibt es finanzielle Unterstützung, landesweit wurden Pflegestützpunkte eingerichtet. Aber wir müssen die Pflege gut pflegen und zukunftsfest machen. Dies betrifft insbesondere die Zunahme der Pflegebedürftigen, den Fachkräftebedarf und die Finanzierung.“ Derzeit leben in Brandenburg knapp 90.000 pflegebedürftige Menschen; bis 2030 werden etwa 131.000 erwartet.
In Ketzin besuchte Baaske das evangelische Seniorenzentrum „Kurt Bohm“ des Landesausschusses für Innere Mission (LAFIM) mit 42 vollstationären Plätzen und 14 Plätzen Betreutes Wohnen und in Lehnin das Altenhilfezentrum „Lothar Kreyssig Haus“ im Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin mit 97 vollstationären Plätzen, sowie 7 Kurzzeit- und 12 Tagespflegeplätzen.
An beiden Standorten gab es bereits vor 1990 Altenpflege; sie wurden im Rahmen des Investitionsprogramms Pflege (IVP) saniert beziehungsweise durch Neubauten ergänzt. Im sogenannten „Pflege-TÜV“ sind sie mit „1“ bzw. „1,5“ bewertet (www.pflegelotse.de). Die Durchschnittsnote beträgt für stationäre Einrichtungen landesweit 1,5 (bundesweit: 1,7).
Baaske: „Die Veröffentlichung von Prüfergebnissen zur Pflegequalität durch die Pflegekassen schafft eine neue Transparenz. Deren Aussagekraft ist jedoch nicht unumstritten. An dem Verfahren wird deshalb noch gearbeitet. Bereits jetzt bieten sie aber eine gute Gelegenheit für den ersten Überblick. Entscheidend für eine spätere Auswahl bleibt jedoch das persönliche Kennenlernen und eine kritische Prüfung der angebotenen Betreuung.“
In den 446 stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen stehen insgesamt 25.737 Pflegeplätze zur Verfügung. Die meisten werden von Trägern der Wohlfahrtspflege und privaten Anbietern betrieben. In der Regel leben die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen in Ein- oder Zweibettzimmern mit eigenen sanitären Einrichtungen; häufig auch mit Anschluss an elektronische Medien.
Baaske: „Vor 1990 sah das anders aus: Vier-Bett-Zimmer waren die Regel, der bauliche Zustand häufig desolat und die Betreuung wurde aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen den Wünschen der Bewohner oft nicht gerecht. Umso mehr ist die Arbeit vieler Betreuerinnen und Betreuer anzuerkennen, die unter schwierigsten Bedingungen alte Menschen gepflegt haben.“
Die Kosten für die vollstationäre Pflege werden je nach Pflegestufe anteilig über die Pflegekasse finanziert. Die mit der Miete vergleichbaren Bestandteile „Unterkunft“ und „Investitionskosten“ sowie die Verpflegung sind als Eigenanteil zu leisten. Diese Daten können auch über den Pflegelotsen abgerufen werden.
Baaske: „Die bisher gute Entwicklung ist jedoch nur eine Zwischenetappe, denn die Pflege steht vor erheblichen Herausforderungen: Die Zahl älterer Menschen nimmt stark zu, ein Fachkräftemangel in der Pflege droht, die Finanzierung der Pflege muss gesichert werden.“
Bis 2015 wird mit einer Zunahme der Pflegebedürftigen auf etwa 103.000, bis 2020 auf 122.000 und bis 2030 auf 131.000 gerechnet. Dies ist nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes der bundesweit prozentual größte Zuwachs. Er liegt bundesweit bis 2030 bei 50, für Brandenburg bei 71 Prozent. Die Lebenserwartung steigt deutlich: Lag sie für neugeborene Mädchen 1991 noch bei 79,9 Jahren (Jungen: 69,04) und 2009 bei 82,2 Jahren (76,41) wird bis 2030 mit einem Anstieg bei Mädchen auf 85 Jahre und bei Jungen auf 80 Jahre gerechnet.
Baaske: „Auch künftig müssen die Kosten für die Pflege so verteilt werden, dass eine gute Pflege für alle bezahlbar bleibt. Eine private Vorsorge, wie sie von der schwarz-gelben Bundesregierung favorisiert wird, kann das nicht leisten. Das solidarisch finanzierte Sozialversicherungsprinzip muss nicht nur erhalten bleiben, sondern ausgebaut werden“. Eine aktive, gesunde und sinnerfüllte Lebensführung bis ins hohe Alter könne dazu beitragen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder deren Eintritt hinauszuschieben.
Mehr als 64.000 Frauen und Männer werden in häuslicher Umgebung betreut und gepflegt. Durch die Pflegekassen erhalten die Familien dafür nach der persönlichen Pflegestufe bis zu 665 Euro monatlich finanzielle Unterstützung. Etwa 26.000 Versicherte davon werden zu Hause durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst versorgt.
Baaske: „In der Regel gilt für uns ambulant vor stationär. Ich hoffe, dass viele Menschen auch mit Pflegebedürftigkeit ihrem Wunsch entsprechend möglichst lange im gewohnten häuslichen Umfeld leben und gepflegt werden können. Oft ist hierfür entscheidend, dass Angehörige unterstützen können.“
Deshalb müsse auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessert werden. Dies müsse nicht immer etwas kosten. Baaske: „Arbeitgeber können auf verschiedenen Wegen ihre Mitarbeiter unterstützen, wenn diese in der häuslichen Pflege Angehöriger engagiert sind. Oft reicht ein Entgegenkommen bei der Arbeitszeitregelung.“ Dafür hat das Sozialministerium im September 2010 die INNOPUNKT-Kampagne zu Beruf, Pflege und Familie gestartet, die aus ESF-Mitteln unterstützt wird.
Die Hauptlast würden – „wie so oft“ – die Frauen tragen. Baaske: „Sie kümmern sich meist stärker als die Männer um Haushalt, Kinder und die zu pflegenden Angehörigen. Deshalb appelliere ich an die ´Männergesellschaft`, sich stärker an der Pflege zu beteiligen. Durch die Reform der Pflegeversicherung hat sich einiges verbessert, so durch die sechsmonatige Pflegezeit oder den zehntägigen Freistellungsanspruch. Beides ist bisher leider unbezahlt – aber immerhin eine Verbesserung.“
In der häuslichen Pflege sind derzeit etwa 10.690 Personen im professionellen ambulanten Dienst tätig, in der stationären Pflege etwa 15.200. Jährlich beginnen etwa 500 Personen die Ausbildung zur Altenpflegerin/zum Altenpfleger. Das Land stellt dafür Schulplätze in den 16 staatlich anerkannten Altenpflegeschulen zur Verfügung und finanziert die Schulkosten mit jährlich etwa 1,8 Millionen Euro.
Günter Baaske: „In Brandenburg herrscht derzeit kein Mangel an Ausbildungsplätzen. Jedoch könnten geeignete Bewerberinnen und Bewerber für die Altenpflege knapp werden! Offene Stellen im Pflegebereich sind oft schwer zu besetzen. Ein Grund dafür ist die Vergütung, die geringer ist als in den alten Bundesländern. Deshalb wollen wir eine Erhöhung des bisherigen 7,50-Euro-Mindestlohns für Hilfskräfte. Auch für die Pflegefachkräfte ist ein Mindestlohn notwendig. Keinesfalls darf zugelassen werden, dass Fachkräfte nur den Hilfskräfte-Mindestlohn erhalten. Allen muss klar sein: Das ist eine sehr anspruchsvolle, persönlich auch erfüllende, aber sowohl körperlich wie auch emotional oft belastende Arbeit.“
Die durch von der Landesregierung Anfang 2007 initiierte Pflegeinitiative wurden unter dem Motto „Später beginnt jetzt!“ bisher mehr als 120 einzelne Projekte und Aktivitäten ins Leben gerufen und bekannt gemacht, die in allen Teilen des Landes für die Stärkung der gesellschaftlichen Verantwortung für die Pflege und Betreuung stehen. „Die Erfahrungen aus der Pflegeinitiative sind zukunftweisend: wir benötigen ein breites Netzwerk aus nachbarschaftlichem Engagement und Ehrenamt, professionellen Diensten und unterstützenden Angeboten, um pflegebedürftigen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen“ so Baaske.
Eine wichtige Hilfestellung bieten die bislang 16 Pflegestützpunkte. Baaske: „Sie sind für alle Fragen zur Pflege die erste Anlauf- und Informationsstelle. Sie helfen allen, die durch Krankheit oder Behinderung zeitweise oder auf Dauer geschwächt sind. Sie verfügen über Informationen zu den verschiedensten örtlichen Leistungen, Angeboten und Hilfen für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige. Sie werden gemeinsam von Kranken- und Pflegekassen und den Landkreisen oder kreisfreien Städten betrieben und verbinden die unterschiedlichen Kompetenzen und Zuständigkeiten bürgerfreundlich unter einem Dach.“ Die Pflegestützpunkte sollen in den kommenden Monaten so weit ausgebaut werden, dass ihre Serviceleistungen in allen Regionen des Landes angeboten werden.
Unterstützung bietet auch die Beratungsstelle „Pflege in Not Brandenburg“, die in diesem Jahr mit 69.000 Euro aus Lottomitteln vom Sozialministerium gefördert wird. Seit 1. Juli 2008 werden unter der Telefonnummer 0180 265 55 66 kostenfrei qualifizierte Beratung, Informationen und Hilfsangebote bei Krisensituationen in der Pflege gegeben. Der größte Teil der Anrufe betrifft die häusliche Pflege, zum Beispiel bei Problemen mit dem Krankheitsverlauf von demenzkranken Familienmitgliedern. Die Beratungsstelle bietet auch Fort- und Weiterbildungen im Pflegebereich an und informiert über das Thema „Gewalt in der Pflege“.
Schlösser als Altenheime
Brandenburgs erste Sozialministerin Regine Hildebrandt hatte sofort nach Amtsantritt eine Bestandsaufnahme der Altenpflege im Land veranlasst. Demnach gab es 258 Alten- und Pflegeheime mit 20.586 Plätzen. In der Regel wurden sie als Feierabendheim, Altenpflegeheim und Behinderteneinrichtung genutzt. Die Gebäude waren oft für ganz andere Funktionen erbaut, zum Beispiel als Schlösser und Herrenhäuser, und wurden notdürftig zu Alten- und Pflegeheimen umfunktioniert.
Fast durchweg wiesen sie gravierende bauliche Mängel auf. Die wenigsten entsprachen der neu geltenden Heim-Mindestbauverordnung. Für 134 Einrichtungen kam eine weitere Nutzung als Pflegeheime nicht mehr in Frage. Baaske: „Ausreichend große Räume, technische Hilfsmittel, geeignete Pflegebäder oder Aufzüge waren Luxus. Selbstbestimmtes Wohnen und Pflege nach modernen Standards waren so nicht möglich. Auch unter Aspekten der Sanitärausstattung waren es oft desolate Zustände. Das wird heute oft vergessen.“
Mit einem Soforthilfeprogramm wurden erste notwendige Reparaturen durchgeführt und ambulante Pflegedienste in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden aufgebaut. 1992 wurde das Landes-Altenpflegeheim-Bauprogramm (LAB) entwickelt. Es wurde in das spätere IVP integriert, das von 1996 bis 2005 lief.
In dieser Zeit wurden über das IVP 180 Projekte im voll- und teilstationären Bereich mit insgesamt 10.219 Plätzen realisiert. Für sie müssen die Nutzer deutlich niedrigere Kosten für die Unterkunft zahlen als in vergleichbaren frei finanzierten Einrichtungen. Baaske: „In Brandenburg sind durch das IVP sehr gute Voraussetzungen für eine zeitgemäße Pflege geschaffen worden.“ Über das IVP wurden 1,2 Milliarden EUR von Bund, Land und Trägern investiert.
Jedoch hätten auch zahlreiche private Träger ohne Förderung aus dem IVP „hervorragende Einrichtungen im Land Brandenburg aufgebaut“.
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